Der Name des Autors
Teil 2 siehe hier …
Ein Grossmeister der Selbstmystifikation war der russisch-polnisch-französische Literat Roman Kacew (1914-1980), der von sich sagen konnte: «Stets war ich für mich selbst ein Anderer.» So hat er denn auch das Pseudonym zu einer eigenen quasipoetischen Ausdrucksform gemacht. Unter einem halben Dutzend völlig unterschiedlicher Decknamen ist er als Autor aufgetreten, am nachhaltigsten als «Romain Gary» und «Émile Ajar». In beiden Fällen handelt es sich um bedeutungstragende Pseudonyme, die allerdings nur über das Russische, Kacews Muttersprache, zu erschliessen sind.
«Gary» stimmt lautlich genau mit dem russischen Imperativ «gori!» (Aussprache: garì; Bedeutung: du sollst brennen!) überein und soll wohl Kacews Selbstverständnis als Heisssporn, feuriger Lover, hitziger Debattierer und Polemiker diskret zum Ausdruck bringen, ebenso seine Verehrung für Gary Cooper, der zu seinen bevorzugten Filmhelden gehörte. Dazu kommt, dass «Gary» (gari) im Russischen auch als Anagramm von «igra» (d.h. Spiel) zu lesen ist, womit der Autor seine Vorliebe für spielerische Lebensführung, für Rollen- und Gesellschaftsspiele, aber auch für Literatur als Spiel evoziert.
… Fortsetzung am 6.12.2022 …
© Felix Philipp Ingold & Planetlyrik
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